Wortakrobatik mit Oliver Tissot

 

Es gehört mittlerweile zur guten Tradition in der Grundschule Buttenheim hochkarätige Künstler zu einem Auftritt in der Schule zu bewegen. Im Laufe der vergangenen Jahre gaben sich Kreative wie Wolfgang Buck, Johannes Kirchberg oder auch Jan Burdinsky fast schon die Klinke in die Hand. Schulleitung und Förderverein in Zusammenarbeit mit dem Elternbeirat gelingt es immer wieder profilierte Chansoniers (Les Quatre Baguettes) Kabarettisten oder Musikensembles zu engagieren und in die (vermeintlich) biedere Provinz zu locken.

So war es auch kein Wunder, dass die Aula der Schule  beinahe barst, als Oliver Tissot, Kabarettist aus Nürnberg und Lokalpatriot – wie er mehrmals an diesem Abend betonte – auftrat. Er konnte vor ausverkauftem Haus spielen. Das Publikum war gut gemischt, Alt traf sich mit Jung – Prominenz und einfache Bürger gaben sich ein Stelldichein.

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 Die Stimmung: fast schon ausgelassen, jedenfalls locker, als Routinier Tissot die Bühne betrat.

Und sofort war klar, dass er die Szene beherrscht, begann die Vorstellung doch mit einem Paukenschlag: Das Mikrofon fiel aus und Tissot machte sich prompt darüber lustig. Als daraufhin Herr Dotterweich herbeieilte um die Technik wieder in den Griff zu bekommen, bekam auch der sein Fett ab. Tissot nahm dessen Auftritt zum Anlass den aktuellen Lebensmittelskandal um dioxinverseuchte Eier in Deutschland in Zusammenhang mit dem Namen des Schulrektors zu bringen. Das Publikum dankte es Tissot mit lautem Applaus und Lachsalven.

 

 

Das hervorstechendste Charakteristikum dieser Art von Comedy ist die Spontaneität, mit der der Akteur auf der Bühne auf sein Publikum reagiert, bzw. mit ihm aktiv in einen Dialog tritt. Oliver Tissot befragte im Laufe des Abends mehrere Damen und Herren im Publikum nach ihrer Profession und ähnlichem, und formte aus den Antworten spontan (oder auch nicht?) seine Gags, die beim Publikum ins Schwarze trafen. Das erinnert an Improvisationstheater und verheißt Frische, gedanklichen Reichtum und Spontaneität. Dabei steht Wortwitz in Form von Verdrehungen, Verball-hornungen, gezielten Miss- und Verdeutungen im Mittelpunkt. So unter anderem, als der Künstler eine sehr eigenwillige Interpretation der Dürerschen Darstellung von Adam und Eva im Paradies gab, in folgenden Passagen: Dürer habe es bereits im Namen, er sei ein ganz Dürrer. Oder: Der Brennerpass habe seine Bezeichnung aus dem Ausspruch: Mir brenna de Füß, weshalb viele, die über die Alpen kamen zunächst nach Vene – dick gereist seien, und ähnliches mehr. Die große Stärke des Entertainers ist sein Assoziationsreichtum, mit dem er spielt. Diese Jonglage mit Wörtern im Zusammenspiel mit dem Publikum ist sein Markenzeichen.

Thematisch steckte Oliver Tissot ein ziemlich weites Feld ab, wobei er im Verlauf des Abends immer wieder auf bestimmte Themenkreise zu sprechen kam. Da war der Gegensatz zwischen Mann und Frau, die Schule (naturgemäß: wir befanden uns ja in einer Schule), Levy, bzw. Löb Strauß, und da wurden auch aktuelle lokalpolitische Themen hops genommen wie das geplante „Entertainment- und Vergnügungscenter“, das die Gemeinde Buttenheim im Gewerbegebiet plant, welches aber vielen Bürgern Buttenheims und Altendorfs ein Dorn im Auge ist.

Dabei sparte Tissot auch nicht mit Häme, die er ungeniert über einzelne, im Publikum sitzende Zuschauer ausgoss. Allerdings entging auch nicht, dass so mancher Kalauer  etwas abgeschmackt, bzw. abgedroschen wirkte. Da ist etwas zu viel Schenkelklopferei im Spiel gewesen. So beispielsweise bei der allzu häufigen Wiederholung von Namen lokal prominenter Personen wie „Dotterweich“, „Karmann“ oder „Kalb“. Das wirkte auf Dauer doch etwas inhaltsleer und redundant, auch bisweilen monoton, da wenig – für meinen Geschmack zu wenig – Substanz geboten wurde. So fehlte es beispielsweise an satirischem Biss, wenn es um lokale politische Themen wie den geplanten Werbemast an der A73 (das neue Wahrzeichen Buttenheims?) ging . Vielmehr wurde sich – manchmal allzu sehr auf Teufel komm raus –„nur“ lustig gemacht. Das wirkte dann gewollt, fast schon etwas krampfhaft.

Alles in allem ein unterhaltsamer Abend, zum Teil aber waren die Fußstapfen, in die Oliver Tissot hier trat -  gemeint sind vor allem Wolfgang Buck und  Johannes Kirchberg – etwas groß.

 

Peter Svoboda