«Les Quatre Baguettes» in Buttenheim

 

Im Rahmen des Projektes „Kultur in der Schule“, das mittlerweile seit einigen Jahren ein fester und bedeutender Bestandteil des lokalen Kulturangebots ist, gastierten am vergangenen Freitag vier Musiker in Buttenheim, denen trotz unterschiedlicher geographischer Herkunft die Liebe zum Chanson, zum gesungenen Lied, gemeinsam ist. Dabei wird bereits nach den ersten Songs klar, dass das Besingen von Gefühlen, Trauer, Lust, Liebe, ein weltumspannendes Phänomen ist. So stimmen Claus Schwarzmann und seine Mitstreiter das Publikum nicht nur auf das französische Chanson ein, sondern zeigen eine sehr viel breitere Palette, die das Repertoire dieser Band bildet. Da erklingen sowohl russische Volksweisen, als auch jiddische Kletzmersongs. Daneben aber beherrschen es die Musiker hervorragend auch alte Klassiker wie „Quantanamera“ darzubieten, ohne dass dabei auch nur für Millisekunden ein schales Gefühl oder peinliche Berührtheit aufkommt. Vielmehr verstehen es neben Schwarzmann musikalisch vor allem die beiden zentralen Figuren des Quartetts, Juri Kravetz am Knopfakkordeon und Marion Andersons am Sax (Sopran und Tenor) zu überzeugen. Beide verfügen über eine atemberauben-de Sicherheit auf ihrem Instrument und – was noch wesentlich entscheidender ist – sie geben dem Team die Virtuosität, einmal durch den vollen, aber auch warmen Klang des Saxophons, zum anderen aber auch durch den Ton des Akkordeons, das, meisterhaft beherrscht, einen Hauch von Ferne versprüht und gleichzeitig von Halbwelt, Hafen und Spelunke, von großen Gefühlen, von Enttäuschungen und der ewigen Sehnsucht kündet.

 

Zur Hochform laufen die Akteure bei ihren Interpretationen von Jacques Brel und Paolo Conte auf. Insbesondere Schwarzmann liegt es das Anrüchige, Rauchige, bzw. auch die Melancholie, die vor allem in Stücken wie „Amsterdam“ stecken, herauszuarbeiten. Hier, bei Brel, erweist sich das „Schifferklavier“ als ganz natürliche Begleitung des höchst emotionalen Gesanges, der dennoch ein schönes Understatement wahrt, während das Saxophon eine gänzlich eigene Note beisteuert. Es gibt dem Ton Raum und Tiefe, gleichzeitig wirkt der Song trotz aller Dramatik etwas jazzig. Schwarzmanns Gesang kann hier vollständig überzeugen, fühlt man sich doch in ein verrauchtes Lokal in Paris versetzt und wäre kaum verwundert, wenn im nächsten Moment Jean Gabin um die Ecke käme.

 

Anderson Gleiches gilt auch für die mit Hingabe intonierten Stücke des genialen Canzonieres Paolo Conte aus Genua. „Les Quatre Baguettes“ warten mit insgesamt vier Titeln des Altmeisters auf, wobei „Azzuro“ eines seiner bekanntesten Lieder, noch etwas verhalten intoniert wird. Atemberaubend aber gelingt „Comedie“, das exakt jenen Drive bekommt, der ihm vom Meister selbst zugedacht worden ist. Filigran und mit

höchster Virtuosität zeigen die vier Musiker, was in ihnen steckt: Bravi!! Hier treten vor allem der Gesang und das Saxophon ganz in den Vordergrund. Wenn man die Augen schließt, glaubt man stellenweise Conte mit Band vor sich zu haben. Dann aber hebt sich das Spiel der Akteure wieder bewusst ab vom Original. Man interpretiert eigen-ständig, gibt der Musik eine ganz eigene Note. Sehr gelungen.