Quintessenz

„Quintessenz“ in Buttenheim

 

Quintessenz“ nennen sich fünf junge Bamberger Künstler, die als A-Capella-Band seit einiger Zeit in näherer und weiterer Umgebung von sich reden machen. Michael Zeder, Martin Dieckhoff, Tobias Leidner, Johannes Först und Christian Firsching machten in Buttenheim im Rahmen des Programms „Kultur in der Schule“ Station und begeisterten ihr Publikum mit ihrem filigranen Gesang, aber auch mit Witz und Spontaneität.

Das Motto ihres Programms „Alles nur geklaut“ trifft dabei zwar einerseits ins Schwarze, denn tatsächlich stammen die an diesem Abend vorgetragenen Songs zu 100% von Bands wie den „Wise Guys“ oder den „Prinzen“, bzw. von den „Flying Pickets“, also echten Größen des Business. Allerdings zeugt es gerade von einer großen Portion Mut und Respektlosigkeit sich an derart bekannten Größen zu messen.

Hervorstechend an „Quintessenz“ erscheint vor allem die Frische und Unverbrauchtheit der Darbietung, die durchweg ihren Gesang prägt. Dies zeigt sich sowohl bei Interpretationen von „King of the Road“ als auch bei der A-Capella-Version des Rock – Klassikers „Wild Thing“, bei dem man unweigerlich an Jimi Hendrix denken muss.

Die Qualität der jungen Stimmen zeigt sich vor allem in Phasen, wenn ein mehrstimmiger melodiöser Klangkörper auf der Bühne entsteht. Das eigentlich Faszinierende an dieser Art von Gesang ist wohl die mehrstimmige synchrone Bewegung in bestimmten Tonintervallen, die in vollkommener Harmonie zueinander stehen, oder auch gerade Brechungen derselben bedeuten. Intonation, Rhythmisierung und Zäsuren tun ein Übriges.

 

Quintessenz

 

Die eigenständigste Interpretation gelingt den fünf jungen Musikern mit dem Klassiker „Jessies Girl“ von Rick Springfield.

Immer wieder werden kabarettartige Einsprengsel in die Darbietungen eingemengt. Mal treten die fünf Musiker in divenartiger Abendrobe auf, womit sie offensichtlich sattsam bekannte Travestieshows parodieren, oder sie „schocken“ das Publikum durch „freizügige“ Darbietungen im Bademantel.

Ein besonderer Moment scheint mir gewesen zu sein, als Martin Dieckhoff ans Klavier trat, um die anderen vier zu begleiten. Dies erscheint als ein möglicher, fruchtbarer Weg, den die Band in Zukunft gehen kann: Mit eigenen Texten und eigener (oder auch fremder) Musik (von Friedrich Holländer bis Klaus Hoffmann) das klassische Musikkabarett wiederzubeleben.

Als sehr gelungen kann auch die vom Publikum in dieser Weise niemals erwartete Rezitation des Liedes „Küssen verboten“ von den „Prinzen“ bezeichnet werden, zeigte sich hier doch einerseits im Vortrag selbst ein parodistisches Element, gleichzeitig aber hafteten dem Vorgang auch dadaistische Züge an. Das Publikum reagierte verblüfft und gleichzeitig amüsiert.

Vieles von dem, was sich an diesem Abend zeigte - sei es in spontanen Äußerungen oder ersten noch etwas improvisierten Gesten, die ein handfestes Talent erkennen lassen - lässt manches erahnen, was sich hier noch entwickeln kann.

Die Inspiration ist da! Habt Mut zum Experiment!

 

Peter Svoboda