Martin Neubauer und Elisabeth Wasserscheid

machen den Valentin

 

Bereits zum dritten Mal organisierten Elternbeirat und Schulleitung der Grund- und Volksschule Buttenheim einen Abend mit Kultur für Erwachsene und Kinder unter dem Motto: Kultur in der Schule.

 

 

Was für ein Anspruch: Valentin, Karl Valentin, soll gegeben werden. Das wird schwierig, vergleicht doch der Zuschauer fast gezwungenermaßen das Spiel auf der Bühne mit dem Original. Worauf haben sich die beiden Akteure, Elisabeth Wasserscheid und Martin Neubauer, da eingelassen?! Was ist ihre Idee? Was wollen sie überhaupt zeigen? Worauf kommt es ihnen an, bzw. wie gehen sie mit dem Text um? Und wie mit dem Bild des Schauspielers und Komikers Karl Valentin? Eines 55 Kilomannes, ein Strich in der Landschaft, eine „Zaunlattn“, der sich selbst in einem seiner Theatertexte so charakterisiert hat: „Was muß ich denn verbrochen haben, dass mich die Natur gar so grauslich zsammgricht hat.“ Schon das grotesk – Clowneske an der Erscheinung zu zeigen, dürfte nahezu unmöglich sein.

 

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Um es vorweg zu nehmen: Die Darstellung gelang da am besten, wo die Akteure am meisten die Sprache und den Sprachwitz Valentins zum Ausdruck brachten, bzw. in den Vordergrund ihrer Darstellung gerückt haben. Ohnehin lag es ihnen offenbar am Herzen nicht Valentin als Person zu imitieren, sondern seine Texte in den Mittelpunkt zu stellen und die Typen, um die es dem Autor ging, zu zeigen. Dafür sprechen der schlichte Bühnenaufbau, die nur in ganz wenigen Accsessoires vorhandene Kostümierung und auch die sparsame Beleuchtung. Zudem sorgten die Unterbrechungen zwischen den einzelnen Szenen immer wieder dafür, dass eine eventuell im Ansatz vorhandene Illusionierung des Zuschauers in sich zusammenbrach, da Neubauer immer wieder als Neubauer und Wasserscheid immer wieder als Wasserscheid erkennbar wurden. Das begann schon damit, dass das Publikum nach einem kurzen Entré nach draußen gebeten wurde. Der gesamte erste Teil der Aufführung fand im Freien in mehreren Stationen statt. Durch diese Inszenierungsidee gelang es den Witz, bzw. die Absurdität der Sprache und der Sprachverdrehungen, die für Karl Valentin so typisch sind und nicht mehr so sehr um den Darsteller selbst. Das tat der Aufführung insgesamt gut.

 

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Und damit ging es mitten hinein in einige der unvergesslichen Klassiker. Schon der „Einzug des Kaisers Ludwig“ wies einige typische Schmankerl des Valentinschen Derbleckens auf. Da wurden Wörter verballhornt, ganze Sätze verdreht und deren Sinn entstellt, Sprache und sprachliche Konventionen auf den Kopf gestellt. Oft steckt die Sprache voller Tücken und Untiefen, die wir in unserem Alltagsgerede häufig übersehen, bzw. auf die wir auch hereinfallen.

Ausgespart wurde von den beiden Darstellern am heutigen Abend auch nicht die politische Seite in den Texten Karl Valentins, die ihn als durchaus kritischen Zeitgenossen erkennbar werden lassen, der einigen wie Alfred Kerr, Kurt Tucholsky, aber auch Alfred Polgar schon in den 20er und 30er Jahren als politischer Autor und Kabarettist galt. In einem kurzen Dialog „Verstehst nix von Politik“ liefern sich zwei Zeitgenossen einen Schlagabtausch, indem sie sich gegenseitig ihre politische Dummheit vorhalten. Dabei wird ein Bogen über die gesamte erste Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts geschlagen. Deutlich wird hierbei zum einen, dass die beiden Sprecher tatsächlich „saudumm“ sind, bzw. waren. Dadurch aber, dass man sie als Typen und nicht als Individuen wahrnimmt, zeigt Valentin auch, dass damit eigentlich alle gemeint sind. Alle waren so blöd und haben sich die absurdesten Vorschriften gefallen lassen, sind Propagandafloskeln auf den Leim gegangen und haben die schrecklichsten Verbrechen geduldet, weil sie – aus der Sicht Valentins – eben so „saublöd“ waren.

 

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Insgesamt ein gelungener Auftritt, da er als Reminiszenz an einen der ganz Großen in der Theater- und Bühnengeschichte des 20. Jahrhunderts gesehen werden muss, nicht zuletzt deswegen, weil Karl Valentin sowohl Bertolt Brecht als auch Samuel Beckett sehr stark in ihrem Schaffen beeinflusst hat.

 

 

P. Svoboda