ALLES WIRD GUT!

 

Oder: Grüße von einem sensiblen Scharfrichter

 

 

Mit seinem aktuellen Programm „Über die Verhältnisse“ macht Johannes Kirchberg Station in Buttenheim. Er gastiert in der Grundschule im Rahmen des Programms „Kultur in der Schule“.

 

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Chansonier, Kabarettist, Liedermacher... viele Etiketten, die man ihm anhängen könnte, aber nichts davon trifft wirklich voll und ganz zu. Johannes Kirchberg, ein Chamäleon, ein Wanderer zwischen verschiedenen Stilen, der mit Sprache und Musik experimentiert, um seiner Kunst immer wieder neue Schattierungen zu entlocken, ihr unterschiedliche Nuancen zu geben. Dabei ist die Sprache selbst immer Ausgangsbasis und Rohstoff seiner fabulierenden Kunst. Er verfremdet alt Bekanntes, verkehrt und verballhornt es. Er bringt sogar Anklänge an den deutschen Schlager vor, wie in seinem Titel „Gabi Schulze“, wo der Refrain lautet: „Eine neue Putzfrau ist wie ein neues Leben“, getreu dem Hit „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ aus den 70er Jahren. Überhaupt kann man eine Menge von Zitaten in den Texten entdecken, die dem Zuhörer als Anklänge an Schnulzen, Schlager und schnöde Kommerztitel bekannt vorkommen. Kirchberg benutzt diesen „Schatz“ als Fundgrube, als eine Art Steinbruch. Er bricht den ursprünglichen Sinn und zeigt durch Ironie die Banalität dieser phrasenhaften und weichgespülten Musik- und Textproduktionen auf, parodiert damit sowohl den musikalischen Stil als auch vor allem die Texte.

 

Kirchberg ätzt charmant und ziemlich subtil gegen Spießertum und ewige Besserwisserei, die sich in Titeln wie „Früher nicht“ äußern. Wer kennt nicht den selbstgerechten Ton derer, die schon immer wussten, dass früher alles besser war!?

Er greift sowohl Alltagsprobleme - wie den grassierenden Konsumwahn - als auch politische Themen auf, ohne allerdings zu bitter und zu sarkastisch zu werden. Larmoyanz oder lautes Getöse sind nicht Teil seines Repertoires.

Natürlich ist man versucht eine Tradition zu finden, in der der Künstler stehen könnte und fühlt sich stellenweise an Georg Kreisler erinnert. Allerdings trennt beide ihr jeweils ganz eigener Stil. Ist es bei Kreisler vor allem der Wiener Schmäh, mit seinen Widersprüchen und seiner Geschmacklosigkeit, über den sich der Künstler durch Witz und Ironie erhebt, tritt bei Kirchberg neben die scharfzüngige Ironie und den ätzenden, subversiven vor allem auch ein lyrischer, ja geradezu elegischer Ton. Und hier – gerade in diesen Momenten, in denen es auch ihm ernst ist – da wirkt er am authentischsten und am stärksten. Hier zeigt er sich als Melancholiker. Ein Leidender, der seine unmittelbaren Gefühle womöglich bisweilen hinter einer Fassade von Spott, Witz und Ironie verbirgt. Und ehe man sich versieht, schlägt der Ton wieder um. Man fühlt sich von einer verbalen Keule getroffen, verblüfft durch den unmittelbaren Wechsel in eine direkte, unverblümte Sprache, bzw. eine unverhoffte musikalische Wendung, die den Ernst wieder in Frage stellt.

 

Johannes Kirchberg ist ein Wortkünstler, ein Akrobat, dem es in seiner Kunst in besonderer Weise gelingt Wort und Ton miteinander zu verschmelzen, um uns Zuhörer in ein Wechselbad aus Selbsterkenntnis und Spott über andere zu werfen. Oft genug bleibt einem dabei das Lachen im Halse stecken.

 

 

P. Svoboda