„Lideradurzeuch“ in Buttenheim

 

Martin Neubauer und Heiko Triebener boten im Rahmen der Reihe „Kultur in der Schule“ in der Aula der Grundschule Buttenheim einen vergnüglichen literarisch-musikalischen „Heimatabend“.

 

Was für ein Zeug? Ach so, was mit Literatur! „Na klar, halt so a Lideradurzeuch!“ meinte ein echt fränkischer Fan von Martin Neubauer, der sich von dieser Art authentischer Kommunikation so begeistert zeigte, dass er sich davon zusammen mit dem Solotubisten der Bamberger Symphoniker Heiko Triebener zu einem ganzen Abendprogramm inspirieren ließ.

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In der sehr ansprechend als Kulturclub hergerichteten Aula der Buttenheimer Schule konnte der Elternbeiratsvorsitzende Dirk Röscher ein Duo begrüßen, das mit fränkischem Charme, intelligentem Wortwitz und virtuoser Musikalität faszinierte. „Dem Leben abgelaufene Geschichten“ gab es zu hören. Den Drahtseilakt, dabei bodenständig derb als auch niveauvoll zu bleiben, ist den beiden Künstlern hervorragend gelungen. Der Reiz der Veranstaltung lag besonders darin, den Blick auf literarische Schmankerl mit Heimatbezug zu werfen, zugleich den Franken aufs Maul zu schauen und dabei musikalische Assoziationen zu wecken.

 

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Die „Sacherer“ auf dem in der Aufführung imaginären Anruf-beantworter des Brentano Theaters – dem „Heimgnom“, der in der Inszenierung eine tragende Rolle einnahm, waren laut Aussage Neubauers durchaus authentisch. Nicht despektierlich, sondern eher liebevoll heimatverbunden und dabei keineswegs volkst(d)ümmlich kamen die Schbrüchla und dazu passenden Musikstückla zu Gehör, stets unterhaltsam, nie banal, immer geistreich hintergründig wie die „G´schicht vo die Endla“.

 
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Weitgehend unbekannte Erzählungen E.T.A. Hoffmanns waren neben Alltagsgeschichten zwischen Dialekt und Hochsprache ebenso zu vernehmen, wie beispielsweise ein für Posaune transponiertes Stück von Mozart – „Rondo a lá Turk“ dann eben als „Dönermusik“ zwischen verwursteter Tierkörperverwertung und Darmspiegelung. Heiko Triebener schöpfte dabei aus der gesamten Musikliteratur und Martin Neubauer aus dem Vollen seiner gesammelten Werke, wie auch aus dem Nachlass seines Vaters Hans Neubauer, der sich in Bamberg als Anwalt und Kulturschaffender einen Namen gemacht hatte. Bierwürzige Geschichten zwischen echtem Kulturgut und der schönen neuen Welt Frankens strapazierten die Lachmuskeln des Buttenheimer Publikums mit bewusstseinserweiterndem Intellekt.

                                                                         Text & Fotos: Helmut Ölschlegel